ÜZW-Vorstand Michael Forstner über Energiethemen der Zukunft

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2020 um 40% gegenüber 1990 zu reduzieren. Neben den erneuerbaren Energien spielen bei der Umsetzung der Energiewende die Themen Energiesparen und Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Die ÜZW Energie AG in Altheim hat sich in den vergangenen Jahren vom Netzbetreiber und Stromlieferanten zum Energiedienstleister, vor allem im Bereich der Einspar- und Effizienztechnologie, entwickelt. ÜZW-Vorstand Michael Forstner führt mit Kunden immer wieder Gespräche über die Zukunftsthemen der ÜZW und die Herausforderungen, welche die Energiewende und der hart umkämpfte Energiemarkt an ein regionales Energieunternehmen stellen. Wir haben einige Kundenfragen gesammelt – Michael Forstner beantwortet sie. 

Wie wirkt sich die Energiewende auf einen regionalen Energieversorger aus? 
Mit dem Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) wurde im Jahr 2000 auch die EEG-Umlage eingeführt. Stromverbraucher zahlen seitdem für jede verbrauchte Kilowattstunde einen Anteil für die Förderung regenerativer Energien. Das macht den Strom natürlich teurer. Wir als regionaler Versorger haben auf wesentliche Bestandteile des Strompreises keinen Einfluss über 80% des Preises sind gesetzlich geregelt. Aus unserer Sicht sind die Belastungen für die Privathaushalte zu hoch, die Energiewende ist teuer für die Bürger. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Energiewende bisher nur eine Stromwende ist. Lediglich 25% der CO2-Emissionen entfallen auf Strom, 25% auf Mobilität und 50% auf die Wärme. Somit kommen hier noch weitere hohe Kosten auf uns zu. Wir sind hier kontinuierlich im Gespräch mit Verbänden und Politik.

Wie sieht es im ÜZW-Netz mit der Erzeugung aus erneuerbaren Energien aus?
Im ÜZW-Netz übertrifft die aus erneuerbaren Energien erzeugte Strommenge oftmals den Stromverbrauch. Das Ziel der Bundesregierung – 35% erneuerbare Energie im Netz bis 2020 – erfüllen wir also schon längst. An sonnigen Tagen, um die Mittagszeit, speisen wir ökologisch erzeugten Strom ins vorgelagerte Netz zurück. Unser Stromnetz ist nicht mehr nur ein Versorgungsnetz, sondern mittlerweile auch ein „Entsorgungsnetz“.

Die umweltschonendste Energie ist nicht verbrauchte Energie – wie unterstützen Sie Ihre Kunden?
Mit Information! Wir bieten eine große Bandbreite an Beratungsmöglichkeiten zu Themen wie Stromsparen, erneuerbaren Energien und Fördermöglichkeiten an. Unsere Kunden können sich zudem kostenlos Strommessgeräte ausleihen, um die größten Stromfresser in ihrem Haushalt ausfindig zu machen. Auch mit unseren jährlichen Thermografie-Aktionen haben wir gute Erfahrungen gemacht. Damit kann man Wärmeverlusten an Gebäuden auf die Spur kommen. Schließlich stellen wir unseren Firmenkunden den Zugang zu Online-Portalen zur Verfügung, in welchen man zum Beispiel die Energie-Effizienz eines Maschinenparks überprüfen kann.

Was kann der Kunde tun, um Kosten zu sparen und gleichzeitig die Energiewende voranzutreiben?
Das Stichwort lautet: Photovoltaik und Stromspeicher – ein Gebiet, auf dem wir uns als ÜZW in den vergangenen Jahren große Expertise aufgebaut haben. Mit einem Solarstromspeicher kann der externe Strombezug deutlich reduziert werden – je nach Größe der Photovoltaikanlage und des Stromspeichers können bis zu 80% des Strombedarfs selbst abgedeckt werden. Für Betreiber privater PV-Anlagen ist es mittlerweile auch günstiger, den selbst produzierten Solarstrom selbst zu verbrauchen statt ihn in das öffentliche Netz einzuspeisen und dafür die Einspeisevergütung zu erhalten. Dies sind jedoch nicht die einzigen Pluspunkte der Eigenerzeugung. Ganz wichtig: Vor Ort erzeugter Strom muss nicht durch die öffentlichen Stromnetze transportiert werden, trägt somit zur Entlastung der Netze bei und reduziert deren Ausbaubedarf.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Elektromobilität. Wie bringt sich die ÜZW hier ein?
Der Verkehrssektor gehört zu den großen Energieverbrauchern. Elektrisch betriebene Fahrzeugen werden sich durchsetzen. Die Frage ist nur wann? Die ÜZW hat schon vor einigen Jahren begonnen, die Elektromobilität in der Region zu fördern. Wir beteiligen uns zum Beispiel seit 2015 an dem Forschungsprojekt E-WALD (Elektromobilität Bayerischer Wald), das mit Hilfe neu entwickelter intelligenter und integrierter Ladeinfrastruktur sowie innovativer Steuerungs- und Kommunikationskonzepte den Nachweis liefern soll, dass Elektromobilität im ländlichen Raum funktioniert. Konsequenterweise fährt unser eigener Fuhrpark mittlerweile größtenteils mit Strom. Und schließlich bringen wir mit diversen Aktionen unsere E-Autos zu unseren Kunden, damit sie diese testen können.

Welches sind weitere Zukunftsthemen für die ÜZW?
Wir entwickeln uns seit einigen Jahren kontinuierlich vom Netzbetreiber und Stromlieferanten zum modernen Energiedienstleister. Intelligente Speicherlösungen sind – wie schon angesprochen – aus unserer Sicht ein wichtiges Thema. Zudem unterstützen wir unsere Kunden bei Projekten für die lokale Energieerzeugung, Stichwort Mieterstrom, oder der Direktvermarktung von Strom. Ein großes Anliegen ist uns auch die Mitarbeit in Forschungsprojekten, da wir hier die Möglichkeit haben, an den Themen der Zukunft mitzuwirken. Uns beschäftigt zum Beispiel aktuell die Frage, wie man sein E-Mobil im Büro mit Strom aus der eigenen heimischen PV-Anlage laden kann. 

Der Wettbewerb um Energiekunden hat sich in jüngerer Vergangenheit verschärft – wie begegnen Sie dieser Situation?
Das aggressive Vorgehen einiger Anbieter hat natürlich zum Teil Erfolg – jemanden am Telefon mit angeblichen Schnäppchenangeboten zum Wechseln zu überreden oder auf Portalen unsaubere Vergleiche anzustellen ist aber nicht unser Stil. Wir pflegen ein vertrauensvolles Verhältnis zu unseren Kunden und haben den Eindruck, dass diese es sehr zu schätzen wissen einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort zu haben, der jederzeit für ihre Anliegen da ist. Auch unsere Gewerbekunden sind froh, wenn sie aktiv von uns begleitet werden. Die ÜZW ist seit über hundert Jahren tief in der Region verwurzelt, wir sind ein Stromanbieter mit Herz, engagieren uns hier unter anderem mit Sponsoring und sind ein guter Arbeitgeber. Ökologische Energieversorgung aus der Region hat Zukunft, davon sind wir überzeugt. Als innovatives Unternehmen wollen wir jedoch auch unsere Energiedienstleistungen künftig weiter ausbauen.